Realexperiment
#makerstreet. Und die Straße gehört Dir
Am 4. und 5. Juli 2025 verwandelte sich die Lindenstraße in Potsdam in einen lebendigen, autoarmen Stadtraum. Unter dem Motto „#makerstreet – Und die Straße gehört Dir!“ lud die Landeshauptstadt Potsdam zu einem Straßenfest ein, das gleichzeitig als Realexperiment angelegt war. Ziel war es, neue Perspektiven auf Mobilität, Aufenthaltsqualität und gemeinschaftliche Nutzung des öffentlichen Raums zu eröffnen – und gemeinsam mit Bürgerinnen, Anwohnenden und lokalen Akteurinnen über die Zukunft der Innenstadt zu diskutieren.
Die Lindenstraße liegt im Herzen Potsdams und ist bislang stark vom Verkehr geprägt. Auch der angrenzende Platz Am Jägertor, heute überwiegend als Parkplatz genutzt, offenbarte während des Experiments sein Potenzial als lebendiger Stadtraum. Für zwei Tage wurde die Straße neu gedacht: als Ort der Begegnung, des Austauschs und der kreativen Mitgestaltung – ganz ohne Autos und Durchgangsverkehr.
Das Fest bot ein vielfältiges Programm mit Musik, Kulinarik, Spiel und Kultur – darunter eine 40 Meter lange Festtafel zur Begegnung, Flohmarkt, Yoga auf der Straße, Lesungen, Silent Disco, Mitmachwerkstätten und kulinarische Angebote aus der Nachbarschaft. Gewerbetreibende, Kultureinrichtungen und Gastronom*innen aus der Lindenstraße und Umgebung beteiligten sich aktiv, darunter die Gedenkstätte Lindenstraße, Meilenweit, Brahmii Eis, Karin Klimsa Design, Masala Hause, GUDEs, BarO-Meter, Boutique ah & oh und ShamRocks Irish Pub.
Doch #makerstreet war mehr als ein Straßenfest: Es war ein Beteiligungsschritt im Rahmen des städtischen Straßenraumgestaltungskonzepts. Vor Ort hatten Besucher*innen die Möglichkeit, die aktuellen Planungen zur Umgestaltung der Innenstadtstraßen einzusehen und direkt mit Mitarbeitenden der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen. Die Stadt beobachtete, befragte und dokumentierte Eindrücke und Rückmeldungen – mit dem Ziel, konkrete Erfahrungen und Impulse für die weitere Planung zu gewinnen.
„Wir möchten zeigen, dass Veränderung gemeinsam machbar ist – kreativ, spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger“, so Potsdams Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bernd Rubelt. „Die Innenstadt braucht heute neue Funktionen: Sie soll nicht nur Ort des Konsums sein, sondern ein Raum für Begegnung und Miteinander. Davon profitieren auch Handel und Gastronomie – denn wer sich wohlfühlt, bleibt länger und kommt wieder.“
Die Stadt setzte bewusst auf Offenheit und Dialog – auch skeptische Stimmen waren willkommen. Für Anwohner*innen der Lindenstraße standen während der Veranstaltung kostenfreie Parkplätze auf dem Gelände der Stadtverwaltung zur Verfügung. Entsprechende Hinweise wurden vorab per Post verteilt.
Das Realexperiment #makerstreet hat gezeigt, wie öffentlicher Raum neu gedacht und genutzt werden kann. Die hohe Besucherzahl, die positive Resonanz und die vielfältigen Rückmeldungen belegen, dass das Bedürfnis nach konsumfreien, gemeinschaftlich gestalteten Stadträumen groß ist. Die gesammelten Erfahrungen fließen in die weiteren Planungen ein – mit dem Ziel, die Innenstadt lebenswerter, sicherer und klimafreundlicher zu gestalten.